Berichte 2010

Berichte 2010/2

19. November, Vorbereitungen für die neue Saison

Die Vorbereitungen für die neue Saison sind in vollem Gange. Bei unserem ersten Teamtreffen im belgischen Clermont vom 10.-12. November lernte ich die neuen Teamkollegen kennen. Wir wurden bereits mit neuer Renn- und Freizeitbekleidung von Bio Racer bzw. Puma ausgerüstet. Zudem besprachen wir das Rennprogramm, absolvierten die ärztlichen Checks und quälten uns bei Leistungstests. Bei verschiedenen Fotoshootings, einzeln und als Team, wurden schon Aufnahmen für die neuen Autogrammkarten gemacht. Ich habe bisher noch kein Team erlebt, das um diese Zeit schon so gut auf die neue Saison vorbereitet war!
Um den Teamgeist zu fördern, mussten wir selbständig den Abwasch in der Küche organisieren. Da erkennt man schnell, wer bereit ist mitzuhelfen und wer sich lieber drückt ;-)

7. Oktober, Paris - Bourges

Zum Abschluss der Saison durften wir uns bei Paris-Bourges, dem 'kleinen Paris-Tours', für weitere Einladungen an grosse Rennen in Frankreich empfehlen. Durch den 7. Rang aus dem Vorjahr war ich zusätzlich motiviert. Die Strecke liegt mir und das Wetter zeigte sich erneut von der besten Seite.
Jan setzte sich kurz nach dem Start mit einem Begleiter ab und zeigte eine starke Flucht über 150 km! Als das Rennen nach halber Distanz in den Hügeln richtig losging, wurde ich durch einen platten Hinterreifen gebremst. Als ich fast wieder am Feld dran war, liess mich auch noch der vordere Reifen im Stich und ich war endgültig geschlagen. Das ärgerte mich sehr, da mit meinen Beinen mehr möglich gewesen wäre.
Nach dieser turbulenten Saison freue ich mich jetzt auf die Pause. Mitte November ist das erste Teamtreffen. Dann gibt es bereits News für 2011.

3. Oktober, Münsterland Giro

Bei wunderschönem Herbstwetter fand das zweitletzte Rennen der Saison statt. Der Start war bei einem riesigen Schloss und auch die Strecke führte durch sehenswerte Orte im Münsterland. Wir schauten, dass keine grosse Gruppe wegfuhr. Die zwei mal drei Mann, welche sich absetzten, war ok für uns.
Rund 30 km vor dem Ziel versuchten wir das Feld auf der Kante zu zerreissen. Dabei schmolz der Vorsprung der Spitze von 4 auf 2 Minuten. Viele Fahrer fielen ab, doch rund 60 Mann blieben zusammen. Als wir platt waren wollte niemand mehr fahren. Darum konnten sich zwei Fahrer ins Ziel retten. Eric wurde im Sprint des Feldes guter Dritter und somit 5.

26. September, Prag

Ein weiterer Sieg für das Team NetApp beim längsten Rennen der Saison!
Trotz 268 km, Regen und Schüttelfrost, war es ein perfekter Tag. In der frühen Spitzengruppe mischte Schwarzi mit. Ganz zurücklehnen konnten wir uns im Feld aber nicht. Nach 86 km gab es den ersten Checkpoint. Alle die mehr als 15 min Rückstand hatten, mussten raus. Deshalb mussten wir den Vorsprung der Spitzengruppe etwas verkürzen. Gotti und Cesare sorgten für das Tempo.
Als wir die Spitze auf den letzten 30 km einholten, begann die Attackiererei. Wir wechselten uns hervorragend ab, bis sich Schilli in einer Dreiergruppe absetzte. Alle weiteren Angriffe neutralisierten wir.
Mit dem Sieg holte Schilli das Optimum aus dem perfekten Teamwork heraus. Was für eine starke Leistung!
Für mich war es nach Mailand-San Remo 2007 das zweitlängste Rennen. Wie man sich danach fühlt, ist schwer zu beschreiben. Am Besten fährt ihr selbst mal diese Distanz ;-)

22. September, Omloop van Het Houtland

Ein weiteres flaches Rennen in Belgien ist vorbei. Ich fühlte mich gut und setzte mich zu Beginn in einer grösseren Gruppe ab. Als wir wieder gestellt wurden, setzte ich noch eins drauf. Zusammen mit einem Konkurrenten kam ich aber nicht weit.
Da man oft vom Regen in Belgien hört, muss ich nun auch mal das herrliche Herbstwetter von heute erwähnen. Als nach einer guten Rennstunde eine kleine Gruppe fahren gelassen wurde, fiel das Tempo zusammen. Dadurch konnte man die Landschaft inklusive Sonnenschein sogar mal geniessen.
Zum Ende hin galt, nochmals volle Konzentration. Wir wollten Eric wieder den Massensprint vorbereiten. Auf den schmalen Betonsträsschen mit der Fuge in der Mitte herrschte reine Hektik. Wir fanden uns nicht und so schaute am Ende auch nichts raus.

19. September, GP Paul Borremans

Das Kirmes Rennen war sehr schnell. Auf dem welligen Rundkurs mit Wind wurde das Feld auf den 15 Runden a 11 km stetig kleiner. Zahlreiche Attacken zerlegten das Feld in Gruppen. Manche kamen wieder zurück in die erste Gruppe, andere waren für immer weg. Nach 120 km waren noch ca. 30 Mann übrig. Da platzte auch ich weg. Im Hinblick auf die kommenden Rennen wollte ich mich nicht völlig verausgaben.
Schilli konnte sich vorne in einer Sechsergruppe absetzen und fuhr als starker 3. durchs Ziel. Ein weiterer Podestplatz für unser Team.

17. September, Kampioenschap van Vlaanderen

Ein flaches Rennen mit vielen Kurven und ein wenig Wind, der aber nicht entscheidend war. Wir arbeiteten im Sprint für Eric. Ich drückte an der Spitze des Feldes vom drittletzten zum zweitletzten Kilometer vollgas aufs Tempo. Als ich nicht mehr konnte, scherte ich zur Seite aus. Schade hatte Eric zum Schluss nicht genug Platz, um eine Topplatzierung raus zu sprinten.

7. September, Slowakei Rundfahrt

Die letzte Etappe verlief fast gleich wie diejenige gestern. 3 Fahrer setzten sich ab, wurden wieder gestellt und wir fuhren den Sprint an. Schorni landete mit Platz 3 ein weiteres Mal auf dem Podium! Zudem gewann er die Punkte- und die Nachwuchswertung. Timon brachte den 2. Gesamtrang sicher ins Ziel und als Krönung dieser für uns sehr erfolgreichen Rundfahrt, durfte das ganze Team für den Gewinn der Mannschaftswertung aufs Podest.

6. September, Slowakei Rundfahrt

Das war ein perfekter Tag mit zwei leichten Turbulenzen.
Zum ersten Mal befand sich der Start nicht dort, wo am Tag davor das Ziel war. Die Überraschung war perfekt und wir begannen mit den Rädern zu suchen. 5 km weiter und gerade noch 10 Minuten vor dem Start trafen wir ein.
Nach einigen Attacken bildete sich eine Vierergruppe, was in unserem Sinne war. Damit waren die Zeitgutschriften bei den Zwischensprints weg und der zweite Gesamtrang von Timon geschützt. Der Drittplatzierte liegt nur eine Sekunde hinter ihm. Der Rest der fast 200 km langen Etappe blieb ruhig, bis 15 km vor dem Ziel mein Hinterrad platt war. Nach grossem Kampf fand ich wieder Anschluss und stieg gleich in die Nachführung ein, um die Ausreisser zu stellen. Zusammen mit den Russen schlossen wir das Loch. Die Sprintanfahrt funktionierte wieder super und Schorni vollendete mit dem zweiten Etappensieg für das Team NetApp!

5. September, Slowakei Rundfahrt

Vom Zeitfahren hatte ich mir etwas mehr erhofft. Ein Exploit blieb aus.
Durch das neue Rad war ich top motiviert. Ausser einer Schrecksekunde wenige Kilometer vor dem Ziel, kam ich bei kalten Temperaturen gut durch. Als ich ein Schlagloch erwischte, drehte sich mein Lenker ein Wenig nach unten. Zum Glück hielt er wieder fest bis ins Ziel. Der Abstand, mal abgesehen vom Sieger, hielt sich in Grenzen. Es fehlten eine Sekunde pro Kilometer.
Teammässig schnitten wir super ab. Jan wurde 3. und Timon 4. Dadurch verbesserte sich Timon im Gesamtklassement auf Rang 2. Insgesamt sind wir mit 5 Mann in den ersten 12 des Gesamtklassements!

4. September, Slowakei Rundfahrt

Mit 3 Bergpreisen war die 4. Etappe nach der Verkürzung des gestrigen Teilstücks die härteste Etappe. Dazu kam Regen bei nur gut 10 Grad. Nach der Hälfte der gut 160 km drückten die Slowenen unten am zweiten Berg aufs Tempo. Anfangs hatte ich Mühe. Nachdem ich meinen Rhythmus gefunden hatte, schloss ich wieder zur Spitze auf. Ein Slowene setzte sich alleine ab und fuhr bis ins Ziel durch. Dahinter überquerten wir den Bergpreis zu siebt. Nach und nach schlossen weitere Fahrer auf.
Es folgte eine ständige Attackiererei. Timon, unser starker Zeitfahrer, setzte sich ab und liegt nun vor dem Zeitfahren im Gesamtklassement an 4. Stelle. Ich hatte auf den zwei technischen Zielrunden mit dem verzögerten Bremsen der Carbonfelgen zu kämpfen und erreichte das Ziel in der ersten Gruppe.

3. September, Slowakei Rundfahrt

Da in den Bergen Bäume in den Strassen liegen, wurde die fast 200 km lange Königsetappe erst nach der Abfahrt des letzten Berges gestartet und somit auf gut 100 km verkürzt. Dadurch hatten wir zum Start einen langen Transfer mit den Autos.
Durch die Kürze war das Rennen entsprechend schnell. Wir hielten das Feld zusammen, um Schorni einen weiteren Sprint zu ermöglichen. Die Vorarbeit funktionierte wieder gut und mit dem 3. Rang schaute erneut ein Podestplatz raus.
Im bisher schönsten Hotel haben wir zum ersten Mal ein Telefon und einen Fernseher im Zimmer. Damit konnten wir die Vuelta verfolgen und das erst noch mit Deutschem Kommentar.

2. September, Slowakei Rundfahrt

Auf der zweiten Etappe mischten wir mächtig mit und wurden mit einem Etappensieg belohnt!
Wie gestern setzte sich nach einigen Attacken ein Solist ab. Bei Kilometer 70 drückten wir auf der Windkante auf Gas. Der Überraschungseffekt gelang und wir setzten uns zu fünft vom Team NetApp in einer 10-er Gruppe ab. Leider bekamen wir keine Unterstützung von den Anderen und nach einer Weile brachen wir das Unterfangen ab. Der Weg ins Ziel war noch zu weit.
Es kam zum Massensprint. Schorni setzte die gute Vorbereitung des Teams perfekt um und liess sich als Sieger feiern. Das macht Spass ;-)
Unser Hotel liegt direkt nach der Slowakischen Grenze in Ungarn. Bis Budapest sind es nur noch 70 km. Wo wir nicht überall hinkommen...

1. September, Slowakei Rundfahrt

Sehr starker Wind und zeitweise Regen machten die Etappe nervös. Zudem erforderte der zum Teil bedenkliche Strassenzustand volle Konzentration. Der einzige Berg des Tages war zu weit weg vom Ziel, um entscheidenden Einfluss zu nehmen.
Ich versuchte kraftsparend über die Runden zu kommen, was mir recht gut gelang. Bei der Abfahrt vom Berg hatte ich kalt. Bei unter 10 Grad und Nässe ist das kein Wunder. Nach einem platten Vorderrad verschoss ich ein paar Körner, um wieder auf zu schliessen. Dafür war mir danach wieder warm :-)
Im Sprint des Feldes fuhr Schorni eine gute Platzierung heraus.

31. August, Slowakei Rundfahrt

Der 1,3 km lange Prolog war technisch schwierig. Rund die Hälfte führte auf Kopfsteinpflaster hinauf zu einer Festung. Darum fuhren wir mit dem normalen Rennrad. Die Strassen waren nass vom anhaltenden Regen. Beim Antritt von der Startrampe runter drehte mein Hinterrad durch. Danach fuhr ich die Kurven besonders vorsichtig, da ich mich nicht hinlegen wollte.
Jan wurde ausgezeichneter 3. Ein guter Auftakt für unser Team NetApp.

17. August, GP Zotegem

Einmal mehr hatten wir Glück mit dem Wetter in Belgien. Zu Beginn rieselte es noch ein Wenig und wir rutschten rum, doch dann trocknete es immer mehr ab. Die Strecke, teilweise von der Flandern-Rundfahrt, war technisch sehr schwierig. Schmale Wege, Kopfsteinpflaster, Wind, ein paar Hügel und die Fuge in der Mitte der Betonstrassen forderten volle Konzentration.
Ab sieben Fahrern wollten wir in den Gruppen vertreten sein. Das funktionierte ausgezeichnet und so wurden wir nie in die Defensive gedrängt. Mir lief es ausser einem Hinterraddefekt gut und ich sprang oft mit. Am Ende lief es aber auf einen Massensprint hinaus und wir arbeiteten für Eric. Leider löste sich sein hinterer Schnellspanner 4 km vor dem Ziel. Schorni sprang in die Bresche. Leider wurde auch er behindert, als ihm in aussichtsreicher Position 400 m vor dem Ziel ein Konkurrent in den Wechsel fuhr. Damit wurden wir um die Früchte unserer Anstrengungen gebracht.

15. August, Antwerpen

Beim flachen Rennen mit vielen Schikanen und starkem Wind sind wir leer ausgegangen. Schon nach gut 20 km setzte sich eine Gruppe mit ca. 20 Männern ab. Wir waren nicht vertreten und begannen nach 50 km mit voller Mannschaftsstärke die Aufholjagd. Das Feld fiel auseinander und wir waren nur noch rund 30 Fahrer mit gut einer Minute Rückstand. Dann hielt uns die Jury an, weil die Spitzengruppe falsch gefahren war.
Zu unserer Verärgerung liess uns die Jury mit satten 1min 40 s auf die Spitze wieder losfahren und dazu verpassten sie es, die abgehangenen Fahrer hinter uns aufzuhalten, so dass diese wieder bei uns mitfahren konnten!
Niemand wollte mehr führen. Jan fuhr noch mit zwei Fahrern weg, aber sie kamen nicht mehr zur Spitze und wir wurden vorzeitig aus dem Rennen genommen.

1. August, Elsass Rundfahrt

Mit 3000 Höhenmetern war dies klar die schwerste Etappe. Nach dem Start kontrollierten wir das Feld. Gotti liess niemanden weg fahren. Hinauf zum 1350 Meter hohen Grand Ballon fiel das Feld komplett auseinander. Jan, Huub und ich behaupteten uns in der ersten Gruppe. Wir beschlossen auf Alex zu warten, da es noch ein langer Weg ins Ziel war. In der Abfahrt stach mich eine Biene in den Oberarm. Zum Glück bin ich nicht allergisch.
Nach dem Zusammenschluss der meisten Fahrer, war es vorbei mit der Ruhe. Kein Team vermochte das Rennen zu kontrollieren und es folgte eine Attacke nach der Anderen. Huub kam mit einer Gruppe weg und zeigte sich sogar einige Kilometer alleine an der Spitze. Ich folgte der nächsten Gruppe. Wir schlossen schnell zur Spitze auf. Leider verpassten Jan und Alex den Abgang und so waren Huub und ich nur zu zweit in der rund 30 Fahrer starken, entscheidenden Spitzengruppe.
Unten hinein in den 7 km langen Schlussanstieg zum Ballon d'Alsace konnte ich die ersten Fahrer nicht halten. Ich bestimmte über weite Strecken das Tempo der zweiten Gruppe und setzte mich gut zwei Kilometer vor dem Ziel von den anderen ab. Vorne begannen sie zu pokern und ich kam nochmals bis auf 10 Sekunden heran. Mit dieser starken Leistung gelang mir im Gesamtklassement ein Sprung nach vorne. Wenn man so nah am Podium dran ist, ärgert man sich dann aber doch, nicht drauf zu stehen.
Nach dieser erfolgreichen Rundfahrt, bei der alle vom Team NetApp super gearbeitet haben, werden wir uns die nächsten Tage gut erholen, damit wir für die nächsten Aufgaben wieder gerüstet sind.

31. Juli, Elsass Rundfahrt

Da das Etappenprofil ähnlich war wie jenes von gestern, gingen wir mit der gleichen Taktik an die Aufgabe. Alex sollte mit Tassilo an seiner Seite möglichst Kräfte sparen, Gotti und Huub mitspringen oder notfalls Löcher stopfen, und Jan und ich bei allfälligen grösseren Gruppen mitgehen. Dies funktionierte ausgezeichnet, was, wenn man bedenkt, dass hier ein Neuseeländer, ein Holländer, ein Tscheche, zwei Deutsche und ein Schweizer das Team NetApp bilden, richtig Spass macht.
Bis zur ersten Steigung liessen Gotti und Huub keine gefährliche Gruppe wegfahren. Hinauf zum ersten Bergpreis der zweiten Kategorie setzte ich mich mit einer Gruppe ab. In der Abfahrt schloss das Feld wieder auf. Danach bildete sich eine Gruppe von rund 15 Fahrern mit Jan. Bei den anderen Teams läuteten die Alarmglocken und sie mussten hart arbeiten um die Lücke zu schliessen. Bei der nächsten Gruppe sprang Alex mit. Das Team des Leaders konnte das Loch nicht sofort schliessen und der Vorsprung wuchs auf über 2 Minuten an. Verständlicherweise waren die Fluchtgefährten nicht bereit mit Alex zusammen zu arbeiten, da man sie mit dem Dritten im Gesamtklassement sicher an der kurzen Leine hielt. Daraufhin liess sich Alex zurückfallen.
Den Rest der Etappe verbrachten wir bei über 30 Grad ruhig, um Kräfte für morgen zu sparen. Gotti?s Puls stieg aber noch einmal dramatisch an. Mit 60 km/h knallte er frontal in einen Plastikpfosten in der Mitte der Strasse! Zum Glück gab der Pfosten nach und er blieb auf dem Rad. Mit fünf Bergpreisen und dem Ziel auf dem Ballon d?Alsace folgt morgen die Königsetappe zum Abschluss. Wir werden alles geben, um die Früchte nach der guten Vorarbeit der letzten Tage zu ernten.
Drückt uns die Daumen, denn der zwölfte Mann kann das Spiel entscheiden.

30. Juli, Elsass Rundfahrt

Am Morgen klingelte der Wecker erst um neun Uhr. Ich war froh, denn die beiden ersten Etappen waren schwer. Zudem konnte ich gestern mit all den Emotionen vom Rennen im Kopf nicht sofort einschlafen. Nach dem gewohnten Frühstück mit Müsli und Baguette, legten wir die Beine nochmals hoch, da der Start gleich beim Hotel war.
Das Rennen war erneut geprägt von vielen Attacken. Es standen aber nicht mehr so viele Berge im Profil wie die letzten beiden Tage. Richtig gefährlich wurde es erst 20km vor dem Ziel, als sich eine ca. 15 Mann starke Gruppe absetzte. Wir hatten zwar Gotti dabei, aber der 2. Gesamtrang von Alex war in Gefahr. Wir handelten sofort und holten die Gruppe zurück. Dies kostete zu viele Körner, um noch um den Sieg mitsprinten zu können.
Unterwegs hatte ich zwei heikle Situationen zu überstehen. Bei der Anfahrt zum ersten Berg wurde es bei einer Schikane ganz eng und ich berührte mit meinem Vorderrad die Schuhe eines anderen Fahrers. Dabei brach eine Speiche. Danach eierte das Laufrad, aber es war gerade noch fahrbar ohne an den Bremsklötzen zu streifen.
Das zweite Mal war in einer Abfahrt mit 70 km/h, als sich ein Fahrer links vor mir an einer Insel in der Mitte aufhängte und flog. Als er so vor mir hin rutschte hoffte ich nur, dass er nicht rechts rüber kommt. Es ging gerade noch gut aus. Zumindest für mich.
Die Regeneration hat nun höchste Priorität. Mit Recovery-Shakes und Massage sind wir beim Team NetApp bestens versorgt. Gegen Ende einer Rundfahrt bleiben nur die Besten übrig.

29. Juli, Elsass Rundfahrt

Nachdem es gestern nicht aufging, passte heute schlussendlich alles zusammen. Da fällt es einem auch einfacher einen Tagebucheintrag zu schreiben.
Bei der Anfahrt zum Start in Strasbourg umfuhren wir elegant einen 7km langen Stau auf der Autobahn. Wie gestern in Colmar, befand sich der Start direkt bei der Kathedrale im Zentrum. Die Kathedrale von Strasbourg ist nochmals um einiges imposanter, als jene von Colmar. Ein wunderschöner Startort inmitten vieler Touristen.
Nach gut 30 min Neutralisation, attackierten wir gleich vom Kilometer null weg. Als wir alle blau waren, setzten sich 5 Fahrer ohne uns ab. Heppe hätte im Teamauto wahrscheinlich die Decke einschlagen können. Mit zwei Bergpreisen der ersten Kategorie und zwei der Vierten stand uns aber noch ein hartes Stück Arbeit bevor. Über die langen Berge wurde die Spitze prompt wieder eingeholt und das Feld deutlich kleiner.
Auf den anspruchsvollen vier Zielrunden über je 18 km waren wir in der komfortablen Lage, mit drei Fahrern in der ersten Gruppe vertreten zu sein. Jan, Alex und ich lösten uns mit Attacken ab, bis sich auf der letzten Runde Alex mit einem Konkurrenten entscheidend absetzte. Überlegen fuhr er den Sieg nach Hause und liegt im Gesamtklassement nun auf dem ausgezeichneten zweiten Rang! Mir gelang dahinter ein guter Sprint, welcher mich schlussendlich auf den 6. Rang brachte. Ein perfekter Tag für das Team NetApp! Das hätte nach dem gestrigen Tag wohl niemand gedacht ;-)

28. Juli, Elsass Rundfahrt

Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir bei strömendem Regen zum Start nach Colmar. Dort angekommen brachten mir meine Eltern eine leckere Crostata von meiner Freundin vorbei. Ich liebe diesen Mürbeteig mit Aprikosenmarmelade als Verpflegung, fast so fest wie meine Freundin :-)
Erfreulicherweise trocknete es während der Etappe schnell ab und die Sonne kam zum Vorschein. Ein Stück nach dem ersten Berg setzte sich eine 8 Mann Gruppe ab. Im Feld reagierte niemand und so wurde der Vorsprung grösser und grösser. Da hier nur sechs Fahrer pro Team zugelassen sind, was eine Kontrolle des Rennens fast verunmöglicht, versuchten wir auf der ersten der drei Zielrunden das Feld zu sprengen. Nachdem Tassilo auf der Fläche Tempo machte, drückten Huub, Jan und Alex beim drei Kilometer langen Berg voll aufs Gas. Das Feld viel auseinander, doch in der Abfahrt schlossen die meisten wieder auf. Danach wagte ich auf der Fläche einen Vorstoss mit einem Konkurrenten, doch das Unterfangen war aussichtslos. Wir mussten einsehen, dass die Spitze nicht mehr einzuholen ist.
Damit ist das Gesamtklassement vorentschieden. Unsere Konzentration gilt nun einem Etappensieg.

27. Juli, Elsass Rundfahrt

Heute Nachmittag haben wir unser Novotel Hotel in der Nähe von Mulhouse bezogen. Ein Teil reiste aus Raubling an, der andere Teil aus Kelmis. Wir bleiben die ganze Rundfahrt im gleichen Hotel. Dies ist für alle sehr angenehm, da wir nicht immer ein- und wieder auspacken müssen. Das Zimmer bleibt für eine knappe Woche eingerichtet. Beim Schweizer muss alles seinen Platz haben.
Der Prolog zur Tour Alsace bestand aus einem 4 km langen Mannschaftszeitfahren. Speziell daran war, dass die Zeit nicht für das Gesamtklassement zählte. Es ging also 'nur' um die Verteilung der Wertungstrikots. Wir harmonierten ausgezeichnet und legten eine gute Zeit. Im Ziel waren wir auf dem zweiten Rang und am Ende reichte es glaube ich zu Platz 6. Morgen folgt die erste richtige Etappe und wie aus dem Profil zu entnehmen ist, wird es schon zur Sache gehen.

25. Juli, GP de Perenchies

Eine starke Leistung beim ersten UCI-Rennen für das Team NetApp. Nach 6 kleinen Runden folgten 5 grössere mit einem 1.2 km langen Kopfsteinpflasterstück. Ein so schlechtes Pave hatte ich noch nie befahren, zudem hasse ich diese Steine, seit meinem Sturz darauf 2006.
Es war eine ewige Springerei, eine Attacke folgte der nächsten. Nach der ersten Pavepassage setzten sich rund 15 Mann ab. Wir waren nicht vertreten und mussten das Loch wieder schliessen.
Danach gelang es mir, mich mit zwei Konkurrenten abzusetzen. Damit hatten wir viel Platz, um eine gute Linie auf dem Pave zu finden. Zeitweise fielen ein paar Regentropfen. Zum Glück hörte es wieder auf. Wenn das Pave nass gewesen wäre, hätte man das Rad kaum steuern können. Bei der Fahrt an der Spitze sammelte ich einige Prämien und wurde zudem zweiter im Punkteklassement. Nach unserer Einholung verblieb ich in der ersten Gruppe und ersprintete den guten 7. Rang.
Eine Liebe zum Pave ist allerdings nicht entstanden. Dafür komme ich zu schlecht über die Steine. Mit Blasen an beiden Händen und der gesammelten Erfahrung ist meine Bewunderung für die Fahrer von Paris-Roubaix stark gestiegen!

21. Juli, GP Jose Dubois

Der Start mit dem neuen Team ist geglückt. Die gut 10 km lange Runde um Isieres musste 15-mal absolviert werden. Die Strassen waren typisch Belgisch; kurvig, schmal und teilweise mit einer Fuge in der Mitte.
Wir waren in fast allen Gruppen vertreten. Dimitri erwischte die richtige und wurde guter 10. Für mich war es ein gutes Rennen, um nach der langen Rennpause den Rhythmus wieder zu finden.

18. Juli, im neuen Team

Nach einer längeren Trainingsphase rückt das neue Abenteuer mit dem Team NetApp endlich näher. Am Dienstag reise ich das erste mal zum Service Course nach Kelmis in Belgien. Ich bin gespannt was mich erwartet und freue mich, das ganze Team kennen zu lernen.
Bereits am ersten Juli durfte ich in Raubling in der Nähe von München das neue Material entgegen nehmen. Ich habe mich schnell ans neue Focus-Rad gewöhnt und bin von der Zeitfahrmaschine besonders angetan ;-)

27. Juni, SM Kriegstetten

Der Start zur SM gelang mir gut. Ich fand in einer aussichtsreichen Spitzengruppe unterschlupf. Als wir nach rund der Hälfte der knapp 200 km zu meinem erstaunen wieder vom Feld eingeholt wurden, bildete sich eine neue grosse Gruppe, bei der ich den Anschluss verpasste. Das Rennen war entschieden und ich stieg vorzeitig aus. 

Nun werde ich eine Pause einschalten und dann einen neuen Aufbau für den Rest der Saison beginnen. Nach dem Gastspiel beim Velo Club Mendrisio werde ich ab dem 1. Juli für das Team NetApp www.teamnetapp.eu fahren.

20. Juni, GP Luzern

In den Farben des Velo Clubs Mendrisio absolvierte ich den letzten Ernstkampf vor der SM. Vom Start weg bildete sich bei kalten Temperaturen eine grössere Spitzengruppe. Da weder ein Fahrer von Mendrisio noch einer meiner (Ex-) Teamkollegen dabei war, investierte ich meine Kraft, um die Lücke zu schliessen. Nach gut der Hälfte der Distanz gelang das Unterfangen und es bildete sich eine neue Viererspitzengruppe mit Reto, die den Sieg unter sich ausmachte.

Von meinem Ex-Team gibt es noch keine Neuigkeiten, daher werde ich an der Schweizermeisterschaft vom Sonntag wieder für den VC Mendrisio starten. Ich trage eine schwarze Hose und ein weisses Trikot mit einem roten Balken, falls mich jemand sucht ;-)

17. Juni, Lizenzentzug

Wegen dem Lizenzentzug durch die UCI dürfen wir nicht an der Slowenien Rundfahrt starten. Stattdessen werde ich am Sonntag beim nationalen Eliterennen in Pfaffnau dabei sein. Unsere Teamleitung ist zuversichtlich, die Angelegenheit bald klären zu können.

13. Juni, Kriterium Schaffhausen

Bei nassen Witterungsbedingungen feuerwerkten wir vier Schweizer vom Team Vorarlberg-Corratec, zusätzlich motiviert durch die vielen angereisten Fans. Das Rennen wurde dadurch sehr schnell, aber leider trugen unsere Anstrengungen keine Früchte. Die anderen Teams konnten die Lücken immer wieder schliessen.
Nun hoffe ich, dass unsere Teamleitung den Lizenzentzug der UCI bereinigen kann und wir an der Slowenien Rundfahrt am Start sind.

6. Juni, GP Gippingen

In der viertletzten Runde bildete sich die Spitzengruppe, die das Rennen unter sich ausmachte. Im entscheidenden Moment habe ich gezögert, was mich ein gutes Ergebnis in Gippingen kostete. Umso ärgerlicher, da ich gute Beine hatte. Hubi erwischte die Gruppe und erzielte einen starken 9. Rang.
Die neue Strecke gefällt mir gut und dazu eure super Unterstützung, so macht es Spass zu fahren. Vielen Dank!

30. Mai, Bayern Rundfahrt

Bei der Schlussetappe über gut 150 km gab es einen einzigen Bergpreis nach ca. 35 km. Das Sonnenteam fuhr vollgas in die Steigung rein. Ich konnte den hohen Rhythmus mitgehen. Meine Beine waren zu Beginn gut. Ich versuchte paarmal mit einer Gruppe wegzukommen. Schliesslich setzten sich aber 3 andere Fahrer ab.
Zweimal durchquerten wir eine kräftige Gewitterfront. Dazu wehte teilweise Seitenwind, der an den kräften zehrte. Auf den letzten Kilometern ging mir langsam das Benzin aus. Ich hatte mich während der Etappe nicht genügend verpflegt. Zwei der Ausreisser retteten sich ins Ziel. Ich traf mit dem Feld ein.

29. Mai, Bayern Rundfahrt

Das 28 km Zeitfahren mit 2 Anstiegen a 150 Höhenmetern war sehr anspruchsvoll. Obwohl ich dieses Jahr nie auf dem Zeitfahrrad trainierte, fand ich mich recht gut zurecht. Ganz nach vorne fehlt aber viel. Im Gesamtklassement bin ich vor der Abschlussetappe an 18. Stelle. Es würde mich freuen, wenn mir Corratec ihr neues Zeitfahrmodell zur Verfügung stellen würde. Da wären sicher noch ein paar Sekunden aufzuholen ;-)

28. Mai, Bayern Rundfahrt

Den ganzen Tag rauf und runter, einige schmale Strässchen und dazu ein bisschen Regen. Die Königsetappe ähnelte einem Klassiker. Es war ein Ausscheidungsfahren, in dem sich Reto und ich dank der Unterstützung unserer Vorarlberg-Corratec Teamkollegen bis ins Ziel in der ersten Gruppe behaupteten. Den Sprint habe ich versaut. Als ich 300 m vor dem Ziel links vorfuhr, kamen mir die Absperrgitter, welche die Strasse von 2 Spuren auf eine halbierten, in den Weg. Ich musste rausnehmen und als ich wieder freie Fahrt hatte, liessen mich die Beine im Stich. Aus solchen Chancen muss ich mehr rausholen. Reto wurde ca. guter 10., ich etwa 15.

27. Mai, Bayern Rundfahrt

Die mit 200 km längste Etappe war wieder locker bis zum letzten Berg 30 km vor dem Ziel. Mit 2 km war die Steigung zwar kurz, bei fast durchgehend 16% aber extrem steil. Der Grossteil des Feldes kam wieder zusammen und es kam zum erwarteten Massensprint. Wir unterstützten Sebastian, der einen guten Rang in den ersten 10 einfuhr. Auf der Zielgeraden knallte es heftig. Zum Glück wurde niemand von uns in mitleidenschaft gezogen. Mit 50 km/h im Slalom durch Fahrer und Fahrräder zu kurven ist gar nicht so einfach :-P

26. Mai, Bayern Rundfahrt

Seit dem ersten Mai bin ich endlich wieder mal bei einem internationalen Rennen am Start. Kurz zusammengefasst;  die ersten 150 km waren locker. Der folgende gut 10 km lange Berg war zügig und die letzten 20 km, nach der 10 km langen Abfahrt, waren schnell. Ich konnte den Rhythmus gut mitgehen und erreichte das Ziel im ersten Feld. Mit den Leistungsspitzen wie Sprints und Attacken hatte ich bisschen Mühe. Dies wird sich im Verlauf dieser Woche, wenn ich wieder im Rennrhythmus bin, bessern.