Berichte 2005

Berichte 2005/04

20. August, kein Rennen
Heute morgen bekam ich eine E-Mail von meinem Teammanager, dass die geplanten vier Eintagesrennen in Belgien und Holland vom 20.-24. August ohne unser Team stattfinden. Folglich wird mein nächster Renneinsatz am 04. September beim GP Jef Scherens in Belgien sein. Ich bin nicht sehr glücklich mit dieser Rennpause, da ich die Saison gerne noch durchgefahren wäre. Dafür habe ich jetzt etwas mehr Zeit, um mir um meine Zukunft Gedanken zu machen.
14. August, Regio Tour - 5. Etappe
Leider wurde es nichts mit der Ausreissergruppe, dafür gelang mir nochmals ein gutes Etappenresultat...
Die Startphase war wieder von Attacken geprägt. Ich war in verschiedenen Gruppen, doch keine lief so richtig. Als sich fünf Fahrer etwas länger an der Spitze behaupteten, fuhr ich alleine nach vorne. Die Mannschaft des Leaders machte aber auch dieses Loch wieder zu. Die nächsten Drei, die es versuchten, liess man dann ziehen und ich war zu platt, um zu reagieren. Danach war es ruhig bis auf die sechs Schlussrunden, bei denen wir jeweils über den 'Texaspass' mussten. Das Feld schrumpfte jede Runde etwas, bis wir am Ende nur noch ein kleines Grüppchen waren. Die Spitze erhöhte sich in der letzten Runde auf fünf Mann. Diese machten den Sieg gerade noch unter sich aus. Im Schlusssprint der Gruppe war ich vierter und somit erneut guter neunter einer Etappe.
13. August, Regio Tour - 4. Etappe
Das heutige Bergzeitfahren war für mich eine Pflichtbewältigung. Zu gewinnen gab es da nichts für mich. So drehte ich einen guten Rythmus die 1000 Höhenmeter zum Kandel hinauf, ohne mich Tod zu fahren.
Morgen versuche ich nochmals in einer Fluchtgruppe unterzukommen...
12. August, Regio Tour - 3. Etappe
Vom Start weg wurde attackiert. Ich mischte auch kräftig mit. Nach etwa 15km setzte ich mich mit einer Gruppe ab. Leider war die Konstelation nicht optimal und so wurde unser Loch wieder zugefahren. Kurz darauf ging die nächste Gruppe und weg war sie. Danach verbrachte ich einen ruhigen Tag im Feld, bis es Richtung Ziel nochmals richtig zur Sache ging.
Zuerst holten wir die Spitzenfahrer zurück und dann versuchten wir im Massensprint Svorada zu lancieren. Es begann noch zu regnen, doch dies hinderte Svorada nicht daran, den Sieg nach Hause zu fahren. Ich platzierte mich noch als guter 9.
11. August, Regio Tour - 2. Etappe
Das Profil dieser Etappe war sehr anspruchsvoll. Wenn es nicht gerade bergauf ging, führte uns die Strecke bergab zur nächsten Steigung. Dazu passierten wir viele kleine Dörfchen mit schmalen Strassen und Kurven. Anfangs der Etappe kam ich nicht auf Touren. Ich war froh, dass sich bald eine Spitzengruppe absetzte und das Tempo im Feld etwas gemütlicher wurde. Mit kleinen Gängen versuchte ich meine Beine zu lockern und Kraft zu sparen.
Auf den Schlussrunden lief es mir dann gut. Die letzten drei Mal fuhr ich ganz vorne im Feld über den Bergpreis, doch der grösste Teil kam wieder zusammen. Den Sprint unserer Gruppe um Platz acht gewann Svorada.
10. August, Regio Tour - 1. Etappe
Meistens läuft an deutschen Rundfahrten an der ersten Etappe eine grosse Gruppe, die sich entscheidend vom Feld distanziert. Ich wollte diese unbedingt erwischen und stieg bei vielen Attacken mit. Leider war heute eine dieser seltenen Ausnahmen, an der keine Gruppe richtig lief. So kam es zu einem Massensprint. Svorada setzte sich mit dem 2. Platz super in Szene.
7. August, Giro Bochum
Das Rennen begann gut für mich. Gegen Ende der ersten von 12 Runden bildete sich eine rund 20 köpfige Spitzengruppe, in der Mares und ich unterschlupf fanden. Als wir in der zweiten Runde den Vorsprung langsam ausbauten, hörte ich einen Knall und mein Hinterrad wurde immer weicher. Scheisse! Mit 30 Sekunden Vorsprung platten :-(. Bis der neutrale Materialwagen mein Rad gewechselt hatte, raste schon das Feld an mir vorbei. Zu allem Übel war das Rad so krumm drin, dass meine Bremse streifte. Nun musste mir unser Betreuer aus dem Teamauto hinter dem Feld die Bremse richten. Genau in dieser Zeit lösten sich nochmals rund 20 Fahrer vom Feld. Alle Teams hatten ihre Leute vorne und im Feld wurde nur noch gebummelt.
Mir blieb der grosse Frust. Ich hätte den richtigen Postabgang erwischt, die Strecke mit dem Stadtrundkurs hätte mir zugesagt, die Besetzung war hochkarätig, doch am Ende stehe ich mit leeren Händen da. Ein Rennen zum vergessen!
24. Juli, Tour de Qinghai Lake - 9. Etappe
Der erste Rundfahrtsieg für unsere Mannschaft ist perfekt. Allerdings wurde es nochmals schwerer als wir uns das vorstellten.
Es wurde auch an der letzten Etappe vom Start weg attackiert. Wir mussten viele Löcher stopfen, da auch verschiedene aus den Top Ten des Gesamtklassements angriffen. Es dauerte bis Kilometer 50, bis sich 3 für uns ungefährliche Fahrer absetzten und sich die Aktivitäten im Feld legten. Wir schlugen ein lockeres Tempo an. Die Spitzengruppe hatte schnell einen entscheidenden Vorsprung. Am einzigen Bergpreis des Tages wurde nochmals attackiert, aber wir hatten alles unter Kontrolle. Die Stimmung am Strassenrand war heute einmal mehr gigantisch. Im Ziel hatte die Polizei alle Hände voll zu tun, um die Zuschauermassen zurück zu halten. Am Ende der Siegerehrung waren so viele Leute auf der Bühne, dass uns die Polizei wegen Einsturzgefahr runter holte.
Ein grosses Kompliment an Martin Mares, der während diesen 9 Etappen keine Schwäche zeigte und der verdiente Sieger ist!
23. Juli, Tour de Qinghai Lake - 8. Etappe
Ich glaube wir haben es geschafft! Diesen Gesamtsieg werden wir morgen nicht mehr aus den Händen geben. Heute standen uns zum Glück die Götter zur Seite...
Die Etappe war 20km flach, dann folgten 3 Berge und nochmals 50km Fläche. Kurz nach dem Start fuhren rund 15 weg, darunter 3 aus den Top Ten. Wir konnten die Lücke nicht mehr schliessen und dann attackierten am ersten Berg noch gefährlichere Leute, um zur Spitze zu gelangen. Schliesslich lösten sich nochmals 3 aus den Top Ten, unter anderem der Dritte des Gesamtklassements und fanden Anschluss an die Spitzengruppe. Mares verpasste diesen Abgang. Über den Kulminationspunkt war nur noch ich bei ihm. Die Gruppe war auf 10 Mann geschrumpft. Ich fuhr voll am Anschlag. Weiter hinten sah ich Jindrich, einen weiteren Teamkollegen von uns. Nachdem ich das Tempo etwas drosselte, damit er aufschloss, fuhren wir zu zweit was unsere Beine noch hergaben. Bis zu Beginn des letzten Anstiegs lagen die Begleitfahrzeuge der Spitzengruppe in...greiffbarer Nähe. Mein Teamkollege und ich fuhren nochmals eine lange Ablösung, bevor wir völlig entkräftet ausklinkten. Nun war Mares auf sich gestellt. Er konnte am Berg nicht zur Spitze vorfahren. Zum Glück gelang dies auch keinem anderen mehr. Da man sich in der Spitzengruppe nicht einig war, brachte Mares seinen Vorsprung über die Runden.
Ich schloss mich der nächsten Gruppe an und fuhr mit dieser ins Ziel. Morgen möchte ich noch gut durchkommen. Dann wäre das meine bisher längste Rundfahrt.
22. Juli, Tour de Qinghai Lake - 7. Etappe
Ein weiterer Tag mit der erfolgreichen Verteidigung des Leadertrikots ist überstanden. Am Anfang war die Etappe hektisch, bis sich endlich eine aus 4 Mann bestehende Spitze absetzte. Danach machten meine Teamkollegen und die Polen das Tempo. Ich durfte mich noch etwas zurückhalten, damit ich Mares zum Schluss wieder möglichst lange zur Seite stand. Als es gegen Ende zum einzigen Bergpreis des Tages hinaufging, wurde im Feld nochmals attackiert. Es kam niemand mehr weg, aber viele, unter anderem auch meine Teamkollegen, verloren den Anschluss.
Auf den letzten 35km gaben 2 Polen und ich nochmals Vollgas, um der 4er Spitze nicht zu viel Vorsprung zu lassen. Der Beste war immerhin 11. im Gesamtklassement.
Ich denke morgen wird sich die Rundfahrt entscheiden...

Nach dem Rennen hatte wir noch einen gut zweistündigen Transfer mit dem ganzen Tourtross zum Hotel. Der Weg führte auf schmalen Strässchen den Felsen entlang. Wieder jubelten und winkten uns hundert Tausende von Zuschauern zu.

21. Juli, Tour de Qinghai Lake - 6. Etappe
Das heutige Etappenprofil war speziell. Zuerst 20km flach, dann ging es 40km bergauf und wieder gut 50km bergab.
Auf der Fläche konnten wir das Geschehen kontrollieren. Als dann die Steigung begann folgte Attacke um Attacke. Die Arbeit der letzten Tage um das Leadertrikot zu verteidigen machte sich bemerkbar. Unser Team fiel schnell auseinander. Wir konnten das Tempo nicht genug hoch halten. Ich blieb rund 3/4 des Berges bei Mares. Danach musste ich bei einem weiteren Angriff die Gruppe ziehen lassen. Zum Glück war Mares stark genug, um alle Angriffe aufs Gesamtklassement mitzugehen.
Ich hoffe morgen einen besseren Tag zu erwischen, damit Mares nicht isoliert ist.
20. Juli, Tour de Qinghai Lake - 5. Etappe
Wie erwartet regnete es und die Temperatur hielt sich unter 10 Grad. Die Rennleitung liess Vernunft walten und strich die letzte Abfahrt von der Etappe. Somit war das Ziel mit leichtem Schneefall nach 128km auf dem Bergpreis 3850m über Meer. Den Zuschauern und dem Rennen zu liebe, mussten wir aber die letzten 10km zum eigentlich vorgesehenen Ziel neutralisiert auf dem Velo absolvieren.
Nach meinem starken Tag gestern, musste ich heute beim Schlussaufstieg möglichst lange bei Mares bleiben. Die erste Attacke zu Beginn der Steigung auf den letzten 20km konnte ich mitgehen. Danach bestimmte ich das Tempo bis 10km vor dem Ziel. Da erfolgten die nächsten Attacken und ich musste ausklinken. Die Gruppe war schon unter 20 Mann geschrumpft und somit für Mares überschaubar.
Zum Schluss wurde er starker Dritter und festigte dadurch seine Gesamtführung. Unsere Teamarbeit hat sich somit voll ausbezahlt.
Nun stehen noch 3 sehr schwere Etappen an und wir geben alles, um die Führung zu verteidigen.
19. Juli, Tour de Qinghai Lake - 4. Etappe
Wind, Regen und nur 9 Grad begleiteten uns heute auf der Etappe. Wir versuchten das Feld zu kontrollieren und unseren Leader Mares zu schützen. Auf der Windkante wurde das Feld schnell kleiner. Die Kälte zusammen mit dem Regen waren kaum zu ertragen. Trotz langen Handschuhen hatte ich kaum mehr Gefühl in den Fingern. Der Mechaniker musste mir meine Verpflegung aus der Trikottasche nehmen und öffnen. Mein ganzer Körper zitterte.
Durch die Witterung und die Führungsarbeit wurde auch unser Team dezimiert, bis am vorletzten Bergpreis nur noch ich bei Mares war. Es freute mich besonders, dass ich trotz allem Löcherstopfen auch über den letzten Bergpreis bei Mares bleiben konnte und weiter wertvolle Arbeit leistete. Meine Kräfte waren langsam aufgebraucht und so mussten wir ca. 15km vor dem Ziel eine Gruppe ziehen lassen. Ich konnte den Abstand in Grenzen halten und Mares fährt weiter in Gelb.
Morgen ist leider wieder Regen angesagt und auf dem höchsten Berg - 5 Grad
Es wartet viel Arbeit...
18. Juli, Tour de Qinghai Lake - 3. Etappe
Die heutige Etappe war zwar nur 120 km lang, aber mit einem Schnitt von weit über 50 km/h extrem schnell! Dem See entlang bildeten sich immer wieder Staffeln. Zur Sprintwertung mit Zeitgutschrift war das Feld geschlossen. Unser Ziel war es, Mares den Sprint zu lancieren, um die Sekunde Rückstand im Gesamtklassement auf den Leader gut zu machen. Geschlossen als ganze Mannschaft fuhren wir den Sprint und Mares holte sich die Gutschrift. Es kam sogar noch besser: Als das Feld auf der Windkante entscheidend zerstückelt wurde, war Mares vorne und der Leader eine Gruppe weiter zurück. Ich musste auf der Windkante abreissen lassen und fuhr im Gruppetto ins Ziel. Langsam gewöhnt man sich an die Höhe von über 3000 m über Meer. Morgen haben wir mit der Verteidigung des Leadertrikots eine schöne, aber auch sehr anspruchsvolle Aufgabe vor uns.
17. Juli, Tour de Qinghai Lake - 2. Etappe
Die Startphase war von vielen Attacken geprägt. Ich konnte mich mit einer Gruppe vom Feld absetzen; der Ausreissversuch dauerte jedoch nicht lange. Erst nach ca. 60 km lief die richtige Gruppe. Von unserer Mannschaft war Martin Mares dabei. Das war optimal, da er schon gestern in der ersten grossen Gruppe ins Ziel kam. Als wir langsam über 3000 m über Meer fuhren, brach wie ein Virus über das Feld ein. Das Tempo wurde nicht verschärft, trotzdem scherte einer nach dem anderen aus und stand still. Rund 3 km vor dem Bergpreis erwischte es auch mich. Die Luft hier oben gibt nicht viel Sauerstoff her. So beendete ich die Etappe in der zweiten grossen Gruppe. Vorne kam die Spitzengruppe mit Martin durch. Nun ist er hervorragender Zweiter im Gesamtklassement mit nur einer Sekunde Rückstand. Diesen Platz versuchen wir nun zu verteidigen...